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Die Bedeutung der Beckenmuskulatur für die Kraftübertragung

Ein Trainingsplatz mit einem zentralen Trainingsgerät als Sinnbild für das Becken als verbindende Mitte des Körpers.

Die Mitte als Ort der Sammlung und Weitergabe


Viele Menschen verbinden Kraft mit sichtbarer Anstrengung.

Mit Spannung, mit Muskeln, mit dem Gefühl, etwas „einzusetzen“.


Doch je länger man sich mit Bewegung beschäftigt, desto deutlicher wird:

Kraft entsteht nicht dort, wo sie sich zeigt – sondern dort, wo der Körper zusammenarbeitet.


Das Becken ist dieser Ort der Zusammenarbeit.


Es liegt zwischen oben und unten, zwischen Erde und Wirbelsäule.Es ist kein isolierter Bereich, sondern ein Übergang.Hier entscheidet sich, ob Bewegung getragen wird oder zerfällt.


Ist das Becken zu fest, wird Bewegung blockiert.Ist es zu instabil, verliert sich die Kraft, bevor sie ankommt.

Erst wenn das Becken lebendig stabil wird, entsteht Durchlässigkeit.

Das Becken im Kung Fu


Im Kung Fu zeigt sich das sehr klar.

Techniken wirken nicht, weil die Arme stark sind, sondern weil sie Teil eines Ganzen werden.

Der Impuls entsteht im Stand, sammelt sich im Becken und findet über die Wirbelsäule seinen Ausdruck.

Ohne diese Mitte bleibt jede Bewegung fragmentiert – schnell, aber leer.

Das Becken im Qigong


Auch im Qigong wird das Becken nicht als etwas betrachtet, das man „aktivieren“ muss.

Es ist ein Ort der Regulation.

Wenn Spannung nachlässt, beginnt sich dort etwas zu ordnen.

Der Atem wird tiefer, der Körper ruhiger, der Geist klarer.


Viele versuchen, das Becken bewusst zu kontrollieren.

Doch Kontrolle erzeugt oft neue Spannung.

Das Becken reagiert sensibel auf innere Haltung, auf Atem, auf Vertrauen. Je mehr wir versuchen, es zu fixieren, desto weniger kann es seine Aufgabe erfüllen.


Die Arbeit mit dem Becken ist deshalb immer auch eine Arbeit mit Geduld.

Mit dem Zulassen von Bewegung, die noch nicht perfekt ist. Mit dem Loslassen der Idee, Kraft müsse hart sein.

Zusammenspiel vieler Muskeln


Das Becken ist kein einzelner Muskel und kein klar abgrenzbarer Bereich.

Es ist ein Zusammenspiel vieler Muskeln, Faszien und Verbindungen, die gemeinsam Haltung, Bewegung und innere Stabilität beeinflussen.

Zu diesen Verbindungen gehört auch der Psoas – ein tiefliegender Muskel, der Becken, Wirbelsäule und Beine miteinander verbindet.


Er reagiert sensibel auf Spannung, Stress und innere Haltung und spielt eine wichtige Rolle für Aufrichtung und Entlastung des Rückens.

Zusammenhänge verstehen


Arbeit am Becken bedeutet deshalb nicht, einzelne Muskeln gezielt anzuspannen, sondern Zusammenhänge zu verstehen.

Übungen, wie sie auch in der Rückenschule eingesetzt werden, können dabei helfen, diesen Raum wieder zugänglich zu machen – nicht durch Kraft, sondern durch Wahrnehmung, Bewegung und Loslassen.

So wird das Becken nicht isoliert trainiert, sondern in seiner Verbindung zum gesamten Körper.


Wirkliche Kraft entsteht, wenn der Körper nicht mehr gegeneinander arbeitet.


Das Becken ist der Ort, an dem diese Einheit spürbar wird –nicht als Technik, sondern als Erfahrung.

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