Die Reise des Shifu, vom Schüler zum Lehrer und vom Meister zum Mentor
- Shifu Peter

- 7. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen

Es gibt Wege, die man geht, ohne zu wissen, wohin sie führen.Und es gibt Wege, die man bewusst wählt – mit offenem Herzen und wachem Geist.

Mein Weg begann 1989 – mit dem ersten Schritt in eine kleine Kung-Fu-Schule in Braunschweig.
Damals war Kung Fu für mich alles.
Es war Leidenschaft, Herausforderung und Rückzugsort zugleich.
Wir trainierten in einer einfachen Hinterhofschule ohne Heizung, im Winter mit kalten Händen und Atem, der in der Luft gefror.
Doch genau dort entstand das, was bis heute mein Fundament ist – Disziplin, Durchhaltevermögen und der tiefe Respekt vor dem Weg.Es ging nie um Komfort, sondern um Hingabe.
Was als körperliches Training begann, wurde mit der Zeit zu einer Lebensschule.Ich erkannte, dass Kung Fu mehr ist als Bewegung – es ist eine Haltung, ein Spiegel des eigenen Inneren.
Fast zehn Jahre lang prägte diese Zeit in Braunschweig mein Denken, mein Leben und meine Sicht auf den Menschen.
Vom Schüler zum Lehrer
Mit der Zeit wuchs in mir der Wunsch, das Gelernte weiterzugeben und etwas Eigenes zu schaffen.So gründete ich am 1. Januar 1998 in Hamburg die Hap Kune Do Academy.
Ein Neubeginn – mit dem Ziel, Kampfkunst als Weg zu innerer Klarheit und
Die Schule wurde zu meinem Lebenswerk – ein Ort, an dem Bewegung, Bewusstsein und Gemeinschaft auf natürliche Weise zusammenfanden.
Der Weg nach innen – Buddhismus, Heilkunst und Qigong
Bereits 1991 öffnete sich für mich eine neue Dimension des Weges:
Ich fand Zugang zum tibetischen Buddhismus und begann, den Karma-Kagyü-Weg des Diamantweg-Buddhismus zu praktizieren.
Diese Begegnung hat mein Leben und mein Verständnis von Geist und Bewusstsein tief geprägt.Meditation, Achtsamkeit und die Schulung des Geistes wurden von da an ein fester Bestandteil meines Alltags und meines Unterrichts.
Nach Jahren intensiver körperlicher Arbeit begann ich, auch den Körper aus einer neuen Perspektive zu betrachten – als Instrument und Spiegel des Geistes.
Ich absolvierte eine zweieinhalbjährige Heilpraktiker-Ausbildung und erlernte in Bremen über zwei Jahre das Daoyin Yangsheng Gong, ein Qigong-System, das auf den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin aufbaut.

In dieser Zeit wuchs auch mein Interesse für Ernährung als Teil des Heilungsweges.Ich lebte zwei Jahre vegan, um meinen Körper und seine Reaktionen bewusst wahrzunehmen.
Mit der späteren Arthrose-Diagnose begann eine neue, persönliche Reise – eine Suche nach Heilung und Balance.Diese Erfahrung führte mich noch tiefer in das Verständnis der Zellgesundheit, Stoffwechselprozesse und Ernährungspsychologie.
Was als Notwendigkeit begann, wurde zu einer Leidenschaft.
Ich entdeckte, dass Ernährung wie Bewegung ist – eine Form der Bewusstseinsarbeit.
Heute ist sie fester Bestandteil meiner Philosophie und meines Unterrichts.
Man könnte sagen: Die Auseinandersetzung mit Krankheit hat mich zum Experten meiner eigenen Heilung gemacht.
Ich erkannte, dass wahre Kraft nicht aus Anspannung entsteht, sondern aus Balance –und dass Heilung dort beginnt, wo Bewegung, Atmung, Bewusstsein und Ernährung miteinander in Einklang kommen.
Die Kunst der Stille – Tai Chi und innere Struktur
Um mein Wissen weiter zu vertiefen, begann ich eine Ausbildung im Chen-Stil Tai Chi bei Jan Silberstorff, einem der bekanntesten Vertreter dieser Kunst in Europa.
Über mehrere Jahre studierte ich die spiralförmige Bewegung, die Energiearbeit und das Prinzip der inneren Struktur.
Dieses Training machte mich nicht nur ruhiger und präziser, sondern lehrte mich, die Kraft in der Stille zu entdecken.

Moderne Einflüsse – Der Weg des Kriegers
Trotz meiner tiefen Wurzeln in der traditionellen Lehre blieb ich offen für moderne Trainingssysteme.
Ich absolvierte eine Ausbildung zum Krav Maga Instruktor und ergänzte mein Wissen durch zahlreiche Seminare in Kettlebell-Training, Stretching und funktioneller Bewegung.
Diese Kombination aus Tradition und Moderne gab meinem Unterricht Tiefe und Vielseitigkeit – Bewegung als Ganzheit.
Der Wandel – Vom Kämpfer zum Lehrer des Bewusstseins
Nach all den Jahren des Lernens, Lehrens und Suchens formte sich in mir ein neuer Gedanke:

Es geht nicht um Stil, sondern um Haltung.
Nicht um Kampf, sondern um Bewusstsein.
So entstand die Idee zu „Der Weg des Drachen – Die Harmonie von Körper und Geist“,die heute das Herz meines Weges bildet.
Der Drache symbolisiert Weisheit, Wandlung und Klarheit. Er kämpft nicht – er meistert.
Er steht für jene innere Haltung, in der Stärke und Gelassenheit, Bewegung und Bewusstsein eins werden.
Im Hap Kune Do leben diese Prinzipien in den fünf Tieren fort:
Der Tiger – Mut und Entschlossenheit
Der Leopard – Präzision und Energie
Die Schlange – Kontrolle und Bewusstheit
Der Kranich – Balance und Ruhe
Der Drache – geistige Klarheit und Harmonie
Diese fünf Tiere stehen sinnbildlich für den Weg, den jeder Mensch gehen kann –vom äußeren Kämpfer zum inneren Meister.
Heute – Ein neuer Kreis
Nach über 27 Jahren Lehre, Praxis und Wandlung beginnt ein neuer Abschnitt.
Heute begleite ich Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu innerer Stärke, Gesundheit und Bewusstsein – durch Nei Long.
Hap Kune Do lebt weiter.
Nicht nur als Technik, sondern als Haltung.
Nicht nur als Bewegung, sondern als Geist.
Der Weg des Drachen wirkt dabei im Hintergrund weiter –als Ursprung, als Erfahrung, als innere Linie.
Nei Long ist seine gelebte Form.
Der Drache steht für Wandlung.
Und Wandlung ist der wahre Weg des Lebens.










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