Die drei Schätze Qi, Jing und Shen
- Shifu Peter

- 21. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Auf dem Weg des Drachen begegnet man früher oder später drei Kräften, die alles tragen, was wir tun.Die alten Meister nannten sie Jing, Qi und Shen – die Drei Schätze.
Nicht, weil sie geheimnisvoll sein sollten, sondern weil man sie pflegen muss wie etwas Wertvolles.Wer sie achtlos behandelt, spürt das irgendwann. Im Körper, im Geist, im Leben.
Jing – die Tiefe, aus der alles wächst
Im Alltag zeigt sich Jing dort, wo wir uns stabil fühlen.Wo der Körper regeneriert. Wo Gelenke tragen, die Wirbelsäule aufrecht bleibt und Kraft nicht erzwungen werden muss.
Auf dem Weg des Drachen lernt man früh:
Nicht jede Anstrengung macht stärker.
Nicht jedes Training nährt.
Zu wenig Ruhe, zu viel Druck, ständiges Übergehen der eigenen Grenzen – all das lässt Jing langsam versickern.Und oft merken wir es erst, wenn Müdigkeit bleibt, obwohl wir schlafen, oder Schmerzen auftreten, obwohl wir „eigentlich fit“ sind.
Deshalb ist Jing auf diesem Weg kein Nebenthema.Es ist das Fundament.
Qi – der Fluss zwischen Himmel und Erde
Qi ist Bewegung.
Nicht hektisch, nicht willkürlich – sondern lebendig.
Man spürt Qi, wenn eine Bewegung leicht wird.
Wenn Atem, Schritt und Handlung zusammenfallen.Wenn Kraft nicht aus Spannung entsteht, sondern aus Verbindung.
Im Training zeigt sich Qi dort, wo nichts isoliert ist:
Der Stand trägt die Hüfte, die Hüfte führt den Oberkörper, der Arm folgt – und alles bleibt verbunden.
Der Drache steht nicht für rohe Kraft.
Er steht für Fluss.
Qigong und Tao Yoga lehren diesen Fluss nicht, indem sie etwas hinzufügen, sondern indem sie Blockaden lösen.
Zu viel Denken, zu viel Wollen, zu viel Eile – all das staut Qi.Und gestautes Qi wird irgendwann schwer.
Shen – die klare Führung
Shen ist das, was bleibt, wenn der Körper ruhig wird.Die Präsenz, mit der wir da sind.
Ein klares Shen zeigt sich nicht durch laute Worte oder besondere Leistungen.Es zeigt sich durch Ruhe im Blick, Klarheit im Handeln und die Fähigkeit, auch unter Druck bei sich zu bleiben.
Auf dem Weg des Drachen ist Shen kein Ziel, sondern ein Spiegel.
Es zeigt uns, wie wir leben.
Unruhe im Geist kommt selten aus dem Nichts.
Sie entsteht, wenn wir gegen unsere Natur arbeiten – zu schnell, zu viel, zu lange.
Deshalb beginnt die Arbeit mit Shen immer im Körper.Dort, wo Jing genährt und Qi in Bewegung gebracht wird, kann auch der Geist zur Ruhe kommen.
Die Drei Schätze als ein Weg
Jing, Qi und Shen sind keine Stufen.Man „erreicht“ sie nicht.
Sie begleiten uns – jeden Tag, in jeder Phase des Lebens.
Jing gibt Halt.
Qi gibt Bewegung.
Shen gibt Richtung.
Auf dem Weg des Drachen geht es nicht darum, einen Schatz zu erobern.Es geht darum, achtsam mit ihnen umzugehen.
Denn wer seine Wurzeln achtet, seinen Fluss pflegt und seinen Geist klärt,der geht nicht schneller –aber weiter.










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