Qigong – Gesundheit aus chinesischer Sicht
- Shifu Peter

- 22. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Heilung, Prävention und die Kunst, das Leben im Gleichgewicht zu halten
Qigong – früher oft als Chi Kung geschrieben – ist ein zentraler Bestandteil der chinesischen Gesundheitslehre. Es ist keine einzelne Übung, sondern ein Sammelbegriff für Methoden, die Bewegung, Atmung, Vorstellungskraft und innere Haltung miteinander verbinden.
Im Kern geht es beim Qigong nicht darum, Symptome zu bekämpfen, sondern die Grundbedingungen für Gesundheit zu pflegen. Gesundheit wird dabei nicht als Abwesenheit von Krankheit verstanden, sondern als Zustand von innerem Gleichgewicht, Anpassungsfähigkeit und lebendiger Energie.
Gesundheit aus Sicht der chinesischen Medizin
Die chinesische Medizin blickt auf eine mehrere tausend Jahre alte Entwicklung zurück. Schon sehr früh wurde erkannt, dass Krankheit nicht zufällig entsteht, sondern Ausdruck eines Ungleichgewichts im gesamten System Mensch ist.
Statt sich ausschließlich auf einzelne Ursachen oder äußere Auslöser zu konzentrieren, betrachtet die chinesische Medizin:– den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Lebensweise– die Wechselwirkung zwischen inneren Prozessen und äußeren Einflüssen– den Verlauf von Disharmonien über längere Zeiträume
Dabei stand schon früh die Beobachtung im Vordergrund, dass Krankheiten sich entwickeln, lange bevor sie deutlich spürbar werden. Ohne moderne Begriffe zu verwenden, war bekannt, dass äußere Einflüsse, innere Schwächen und Lebensgewohnheiten gemeinsam wirken – und dass ein starkes, ausgeglichenes System widerstandsfähiger ist.
Energie (Qi) – kein mystischer Begriff
Das Konzept von Qi wird im Westen oft missverstanden. Qi ist kein geheimnisvoller Stoff, sondern beschreibt die Lebendigkeit und Funktionsfähigkeit des Organismus.
Qi zeigt sich unter anderem in:– Wärme und Durchblutung– Beweglichkeit und Spannungsregulation– Konzentration und geistiger Klarheit– Anpassungsfähigkeit an Belastung und Stress
Ist das Qi im Fluss, arbeitet der Körper harmonisch. Kommt es zu Stagnation, Schwäche oder Übermaß, entstehen mit der Zeit Beschwerden. Qigong setzt genau hier an – nicht erst bei Krankheit, sondern bei der Qualität des inneren Zustands.
Prävention vor Behandlung
Ein zentraler Grundsatz der chinesischen Medizin lautet sinngemäß:
Der beste Arzt ist der, der Krankheit verhindert.
Traditionell galt es als Zeichen guter medizinischer Kunst, wenn Menschen gar nicht erst schwer erkrankten. Prävention hatte einen höheren Stellenwert als spätere Behandlung.
Qigong ist Ausdruck dieses Prinzips:– Spannungen werden frühzeitig gelöst– Atmung wird reguliert– Beweglichkeit und Stabilität bleiben erhalten– das Nervensystem kommt zur Ruhe.
So entsteht ein inneres Milieu, in dem der Körper sich selbst regulieren und regenerieren kann.
Der Mensch als System – nicht als Symptomträger
Die chinesische Medizin behandelt nicht primär Krankheiten, sondern Menschen. Symptome werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Hinweis auf ein tieferliegendes Ungleichgewicht.
Qigong unterstützt diesen Ansatz, indem es:– Körperwahrnehmung schult– Zusammenhänge erfahrbar macht– Selbstverantwortung fördert– die natürliche Selbstheilungskraft unterstützt.
Es geht nicht darum, etwas „wegzumachen“, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen sich das System selbst ordnen kann.
Heilend und präventiv – zwei Seiten eines Weges
Qigong wird oft mit Heilung in Verbindung gebracht – zu Recht. Gleichzeitig ist seine präventive Wirkung mindestens genauso bedeutend.
Regelmäßige Praxis kann:– die Belastbarkeit erhöhen– Stressreaktionen reduzieren– Beweglichkeit und Kraft erhalten– innere Ruhe und Klarheit fördern
Damit ist Qigong nicht nur eine Methode für Zeiten der Schwäche, sondern ein Weg, Gesundheit langfristig zu pflegen.
Qigong als Lebenspraxis
Qigong ist kein kurzfristiges Mittel, sondern eine Form bewusster Lebensgestaltung. Die Übungen sind meist ruhig, klar strukturiert und anpassbar – unabhängig von Alter oder Leistungsstand.
In Verbindung mit Achtsamkeit, Atmung und innerer Haltung wird Qigong zu einer Praxis, die weit über Bewegung hinausgeht. Es verbindet Körper, Geist und Alltag.
Eine persönliche Anekdote
Diese Haltung wurde mir vor vielen Jahren in der TCM-Ausbildung vermittelt. Dort wurde erzählt, dass man früher am Haus eines chinesischen Arztes eine rote Laterne anbrachte, wenn ein Patient aufgrund mangelnder Begleitung verstarb. Nicht als Anklage, sondern als Zeichen dafür, dass Prävention und rechtzeitige Regulation versäumt worden waren.
Ob als Überlieferung oder Sinnbild – diese Geschichte hat sich bei mir tief verankert. Sie beschreibt sehr klar, worum es in der chinesischen Medizin und im Qigong im Kern geht: Gesundheit zu bewahren, bevor Krankheit entsteht.
Abschließend
Qigong – oder Chi Kung – wurzelt in einer alten Gesundheitskultur, die den Menschen als lebendiges, sich selbst regulierendes System versteht. Nicht der Kampf gegen Krankheit steht im Mittelpunkt, sondern das Pflegen von Balance, Energie und Bewusstheit.
So wird Gesundheit nicht gemacht, sondern ermöglicht.










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